Aunkai - Innere Methoden der Kampfkunst in Paderborn
Die Philosophie unseres Aunkai-Trainings
In der facettenreichen Welt der Kampfkünste gibt es viele Stile mit ihren je eigenen Methoden, Formen und Techniken. Aber was ist das Wesentliche der Kampfkünste?
Es gibt viele Menschen, die sich regelmäßig in Kampfkünsten üben, um sich selbst sowohl körperlich als auch geistig besser kennenzulernen. Ein Begleiter auf diesem Weg ist häufig das Üben einer großen Anzahl konkreter Formen und Techniken, die bestenfalls zu einer effektiven Selbstverteidigung ermächtigen sollen. Nicht selten kommt es jedoch zu Frustrationsmomenten, wenn eine bestimmte Technik in der (unkooperativen) Anwendung nicht zum erwarteten Resultat führt. Woran kann das liegen?
Es gibt viele verschiedene Interpretationen des Wortes „Training”. Je nachdem, wie eine Person an dieses Konzept herangeht, kann sie den Blick für die – aus unserer Sicht – wahre Essenz der Kampfkunst verlieren. Menschen sind von Natur aus Gewohnheitstiere. Daher wird diese Interpretation oft durch Voreingenommenheit und etablierter Muster getrübt. Diese entspringen Gewohnheiten und Vorstellungen, die im Alltag erworben wurden und uns selten bewusst sind. So übersetzen sich auch Bewegungsmuster, die wir häufig in spezialisierten (Kampf-)Sportarten erworben haben, in das ganzheitlich orientierte Kampfkunsttraining.
Kampfkunst ist – anders als Kampfsport – weder explizit noch implizit im Sinne eines Wettkampfregelwerks reglementiert ist. Dieser Umstand erlaubt es, den eigenen Körper auf eine Weise zu entwickeln, die unmittelbar an den individuellen Fähigkeiten und Potenzialen anknüpft. Dieser Entwicklungsprozess fordert jedoch eine objektive Perspektive auf den eigenen Körper ein, wie sie im Aunkai gefördert wird. Durch das Aunkai erkennen wir im ersten Schritt unsere zivilisatorisch und ‚technisch‘ vorgeprägten Körper und Einstellungen. Im zweiten Schritt versuchen wir dann, den Körper durch bestimmte Trainingsmethoden zu regulieren, um Bewegungen des menschlichen Körpers zu entdecken, die bestimmten Prinzipien entsprechen.
Vielleicht geht es bei der Anwendung von Kampfkunst also weniger um Formen und Techniken als um Prinzipien: Denn damit eine gelernte Technik in der Anwendung funktioniert, muss der Körper zunächst konsequent trainiert und gemäß den Grundprinzipien, die die menschlichen Bewegungen bestimmen, entwickelt werden. Wenn der Körper sich entwickelt und diese physikalischen Prinzipien verinnerlicht, kann er beginnen, gemäß den Prinzipien der Kampfkunst zu handeln. Die „Technik” ist dann nur noch ein Produkt des Körpers, der trainiert wurde, um intuitiv die natürlichsten und effizientesten Bewegungsabläufe im Kampfkontext zu verstehen.
Das Training im Aunkai ist eine Möglichkeit, einen solchen Kampkfunst- bzw. Bujutsu-Körper zu schmieden (Bujutsu Tanren). Daher wird im Aunkai-Unterricht kein Wert auf die Wiederholung leerer Bewegungen oder das Einüben konkreter Techniken als ‚äußere Seite‘ der Kampfkunst gelegt. Stattdessen möchten wir den Lernenden die körperlichen Werkzeuge an die Hand geben, um einen Bujutsu-Körper zu formen, der in der Lage ist, seine eigenen Unvollkommenheiten ans Licht zu bringen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und zu seinen eigenen Antworten zu gelangen. Dies kann als die ‚innere Seite‘, d. h. die prinzipienorientierte Seite der Kampfkunst verstanden werden.
In diesem Sinne üben im Aunkai stilübergreifend Kampfkünstler und Kampfsportler aus vielen verschiedenen Stilen wie Judo, Karate, Aikido, Hapkido, Muay Thai oder MMA. Im Aunkai ist jeder willkommen, in einem nie endenden Zyklus von Experimentieren und Innovieren den eigenen Körper nach den Grundsätzen zu formen, die die Grundlage der Kampfkunst bilden. Dies führt den Praktizierenden schließlich auf seinen eigenen Weg der Kampfkunst. Die individuellen Wege entstehen dabei im Gehen (in Anlehnung an Antonio Machados). Wir begleiten diese Wege entlang der folgenden didaktischen Struktur:
- Grundlagen schaffen (Solo): Erlernen und Umsetzung der Prinzipien am eigenen Körper.
- Kontakttraining 1: Entwicklung der erlernten Prinzipien mit einem Partner.
- Kontakttraining 2: Erprobung der Prinzipien in Formen des (unkooperativen) Sparrings.
- Bujutsu: Anwendungen der oben genannten Punkte.
Der Einsatz von Hebelmethoden und Würfen sowie Schlag- und Tritttechniken ist dabei obligatorisch und Grundlage für eine effektive Verteidigung. Fortgeschrittene üben sich zudem im Umgang mit Waffen. Das Üben der körperlichen sowie technischen Grundlagen und deren Anwendung in Partnerübungen gehen Hand in Hand. Durch diese Synthese wird die Bewegungsqualität von Beginn an und strukturiert in den nachfolgenden Dimensionen der Kampfkunst gefördert:
Dimensionen des Trainings
Technik
Die technische Rahmung bestimmt die äußere Form jeder Kampfkunst. Teil des Trainings sind Schlag- und Tritttechniken wie Hebelmethoden und Würfe. Integrativ werden Grundlagen des Umgangs mit traditionellen Waffen wie Langstock oder Schwert vermittelt. Die technische Basis verbindet sich durch übergreifende Prinzipien, wie die konsequente kreis- und spiralförmige Ausführung der Techniken. Aus dem Zusammenspiel von Technik und Prinzip resultieren effektive Anwendungen. Diese zielen zumeist darauf ab, durch einen Bruch der Balance die Kontrolle über den Angreifer zu gewinnen, um diesen bspw. zu werfen.
Körper
Die effektive und effiziente Umsetzung der Techniken und deren zugrunde liegenden Prinzipien bedarf einer differenzierten Körper- und Zentrumsarbeit. Diese schließt sowohl allgemeine beweglichkeitsfördernde als auch kampfkunstspezifische Formen des Übens ein. Auf diesem Wege wird nebenbei auch die grundlegende Fitness und Körperhaltung gefördert. Eine Übungsform, die Körperarbeit und Kontakttraining verbindet und eine stetige Progression der Intensität zulässt, ist das sogenannte 'Pushing Hands'.
Geist
Die geistige, innere Komponente des Übens wird in zweierlei Hinsicht berührt: Einerseits werden durch das Techniktraining sowie die Körperarbeit kognititve Attribute wie die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit erhöht. Andererseits wird gezielt auf mentale Übungen zurückgegriffen, um durch einen tieferen Zugang, bspw. Visualisierungen, eine verbesserte Anwendung technischer und körperlicher Komponente zu erreichen. Das Resultat - die Struktur und Präzision der Techniken - wird auch an Trainingstools wie dem 'Makiwara' getestet.